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HSZ-Homburg UO Gruppe

Öffentlich·18 Mitglieder

Welchen Vorteil bringt Clickertraining ?

Klickertraining beim Hund – fachliche Grundlagen, Nutzen und Grenzen

Hinweis zur Einordnung:

Die folgende Antwort beruht auf einer Kombination aus praktischer Trainererfahrung im Hundesport und Rettungshundesport sowie auf fachlich anerkannten Grundlagen der Lern- und Verhaltenswissenschaft.Sie stellt keine Einzelmeinung und kein Bauchgefühl dar, sondern eine sachliche Einordnung auf Basis von Erfahrung und gesichertem Fachwissen.Sie erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, sondern dient der fachlichen Orientierung und Einordnung.


Was ist Klickertraining?

Klickertraining ist eine Trainingsmethode, bei der ein neutraler akustischer Marker (der Klick) eingesetzt wird, um dem Hund exakt den Moment zu markieren, in dem ein gewünschtes Verhalten gezeigt wird ("unbedingtes Zahlungsversprechen") Der Klick ersetzt dabei nicht die Belohnung, sondern kündigt sie zuverlässig an.


Zugrunde liegende Lernprinzipien

1. Operante Konditionierung

Klickertraining basiert primär auf operanter Konditionierung. Der Hund lernt durch die Konsequenzen seines eigenen Handelns:

Verhalten → Klick → Belohnung

Verhalten, das zu einer positiven Konsequenz führt, wird in Zukunft häufiger gezeigt. Der Klick markiert dabei präzise den richtigen Zeitpunkt, was insbesondere bei komplexen oder sehr kurzen Verhaltensanteilen entscheidend ist.

2. Klassische Konditionierung (sekundär)

Der Klick ist anfangs bedeutungslos. Erst durch wiederholte Kopplung mit einer Belohnung erhält er Vorhersagewert. Er wird dadurch zu einem sekundären (konditionierten) Verstärker.

3. Informationssignal, kein Lob

Der Klick ist kein emotionales Lob, sondern ein technisches Informationssignal. Er sagt dem Hund ausschließlich:

„Dieses Verhalten in genau diesem Moment war richtig.“

Vorteile des Klickertrainings

  • Hohe Präzision beim Markieren von Verhalten

  • Sehr gut geeignet für Shaping und kleinschrittigen Aufbau

  • Klare, gleichbleibende Bedeutung – unabhängig von Stimmung oder Körpersprache

  • Fördert aktives Mitdenken und Eigeninitiative des Hundes

  • Besonders hilfreich bei Distanzarbeit (RH-Arbeit!), Gerätearbeit, Anzeigeverhalten und technischen Trainingsinhalten


Mögliche Nachteile und Grenzen

  • Hohe Anforderungen an Timing und Trainingssauberkeit

  • Fehlklicks verstärken falsches Verhalten – der Klick ist sehr präzise.

  • Kein Ersatz für Trainingsplanung

  • Der Klick beantwortet nicht, was, warum oder wann trainiert wird.

  • Ohne saubere Kriterien und Aufbauplan bleibt er wirkungslos.

  • Abhängigkeit vom Verstärker-Management

  • Besonders im Aufbau ist Futter zentral. Wird der Übergang zu variabler Verstärkung schlecht gestaltet, bleibt Verhalten oft kontextabhängig.

  • Begrenzte Wirksamkeit in hoher Erregung oder Stress

  • In stark emotionalen Situationen kann der Klick an Bedeutung verlieren.


Sachliche Einordnung

Klickertraining ist kein Allheilmittel, sondern ein Werkzeug. Richtig eingesetzt ermöglicht es klares, konfliktarmes und technisch präzises Lernen. Falsch oder unstrukturiert eingesetzt führt es zu Verwirrung oder ineffektivem Training.

Im Hundesport und Rettungshundesport ist es besonders dort sinnvoll, wo Genauigkeit, saubere Kriterien und reproduzierbares Verhalten erforderlich sind. Es ersetzt jedoch weder Erfahrung noch Beobachtungsgabe noch Trainingskonzept.


Kurz-Zusammenfassung

  • Klickertraining basiert auf operanter Konditionierung

  • Der Klick ist ein Marker, kein Lob

  • Hohe Präzision, aber hohe Anforderungen an den Trainer

  • Sinnvolles Werkzeug – kein Selbstläufer

  • Kann für den Trainer dem Hundeführer den "richtigen" Zeitpunkt für das Belohnen zeigen


Quellen (Auswahl, fachlich anerkannt)

  • B. F. Skinner – Science and Human Behavior

  • Karen Pryor – Don’t Shoot the Dog!

  • McGreevy & Boakes – Carrots and Sticks

  • Steven R. Lindsay – Handbook of Applied Dog Behavior and Training

  • Positionspapiere der American Veterinary Society of Animal Behavior (AVSAB)

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